In einem Interview mit der taz über Neonazis in der DDR wies Bernd Wagner, Kriminologe, ehemaliger Polizist in der DDR und auch der Bundesrepublik sowie Gründer der Aussteigerhilfe für Rechtsextreme »EXIT-Deutschland«, unlängst auf die weite Verbreitung rechter Gesinnung in der DDR hin. Er begründete dies unter anderem mit lang gehegten Vorstellungen von der sozialistischen Heimat DDR: »[…] Kategorien wie Heimat, Familie und Lebensidentität [waren] sehr wichtig im ausdrücklichen deutschen Sozialismus. […] Die geschichtlichen Rahmenzählungen [sic!] fußten auf nationalistischem Gedankengut und der Idee vom besseren Deutschland. Chauvinistische Attitüden gab es auch: etwa den Polen gegenüber.«[1] Der scheinbar aus dem Zusammenhang gerissene Schlusssatz verweist auf die tiefe Verwurzelung von Ausgrenzungspraktiken in der DDR. Was Wagner verharmlosend Chauvinismus nannte, basierte – so argumentiert dieser Aufsatz – auf eingeübten Einstellungen und Praktiken, die sich in staatlichen, gesellschaftlichen und individuellen Ausdrucksformen niederschlugen. Polinnen und Polen begegnete in der DDR nicht selten eine Abneigung, die von Arroganz und Diffamierung bis zu ausagierter Polenfeindlichkeit reichte.
Im Folgenden wird diese Polenfeindlichkeit aus einer mikro- und alltagsgeschichtlichen Perspektive betrachtet. Fußend auf einer Lokalstudie über offizielle wie informelle Kontakte zwischen Polen und Ostdeutschen im Leipzig der 1970er- und 1980er-Jahre wird herausgearbeitet, inwiefern die Beziehungen zwischen der Bevölkerung der DDR und der Volksrepublik Polen von polenfeindlichen Einstellungen und Praktiken geprägt waren.[2] Leipzig beheimatete als Industrie- und Messestadt mit einem für die südliche DDR zuständigen Polnischen Kultur- und Informationszentrum und Generalkonsulat traditionell ein relativ großes polnisches Milieu. Zu diesem zählten Migrantinnen und Migranten, die in Leipzig ihren Lebensmittelpunkt gefunden hatten, Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter, Studentinnen und Studenten sowie zahlreiche polnische Gäste, die die Stadt anlässlich von Wirtschaftstreffen oder Kulturveranstaltungen besuchten.[3]
Die Rahmenbedingungen in den 1970er-Jahren unterschieden sich fundamental von denen der 1980er-Jahre. Im ersten Jahrzehnt stand die Grenze zwischen DDR und Volkspolen für Reisende offen; mit dem Entstehen der Gewerkschaft Solidarność riegelte sich die DDR ab und leitete eine flächendeckende Überwachung praktisch aller ostdeutsch-polnischen Kontakte ein. Wie sich dies auf das Lebensumfeld und die ostdeutsch-polnischen Beziehungen in Leipzig niederschlug, lässt sich anhand zahlreicher Quellen, wie etwa Interviews mit deutschen und polnischen Leipzigerinnen und Leipzigern, Dokumenten von Partei, Massenorganisationen und Staatssicherheit oder aus belletristischen Texten zu ostdeutsch-polnischen Beziehungen herauslesen. Diese literarischen Bearbeitungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Kontakträume lebensnah beschreiben und ihnen der Anspruch vieler DDR-Autorinnen und -Autoren anzumerken ist, wirklichkeitstreu und engagiert auf gesellschaftliche Bereiche einzuwirken.[4]
Neben diesen Quellenbefunden sollen hier auch einige generelle Überlegungen skizziert werden. Die Einordnung der Ergebnisse in die facettenreiche deutsch-polnische Beziehungsgeschichte ist zugleich Anlass dafür, auch die polnischen Reaktionen auf die Polenfeindschaft in der DDR zu berücksichtigen und Polenfeindschaft an polnische Einstellungen und Praktiken rückzukoppeln (ohne damit eine Entschuldigung oder Begründung liefern zu wollen): Anders als bei Rassismus und Homophobie gegenüber »Fremden« richtete sich diese feindlichen Haltung gegen Nachbarn, mit denen Politik und Bevölkerung der DDR trotz aller historischen Belastungen gut vernetzt und bekannt waren.[5] Ostdeutsche Polenfeindlichkeit stieß bei Polinnen und Polen auf einen Resonanzboden, der seinerseits auf alten Erfahrungen und Strategien basierte sowie aktive und passive Verhaltensweisen stimulierte. Konterkariert wurde diese Situation durch eine staatssozialistische Propaganda der Völkerfreundschaft. Diese bot affirmative positive Stereotypisierungen an, die durchaus verfingen, aber auch vielfach als schöner Schein zu durchschauen waren.
In diesem Beitrag sollen unterschiedliche Kontaktzonen im Leipziger Stadtraum, im Urlaub in Volkspolen, im Bekanntenkreis oder im transnationalen Schleichhandel daraufhin untersucht werden, wie sich Polenfeindlichkeit äußerte: Was an ihr war historisch, was staatssozialistisch? Wie wirkte sich die dauerhafte Krisensituation des späten Staatssozialismus auf das Verhalten von Ostdeutschen gegenüber Polinnen und Polen aus? Welchen Einfluss hatten polnische Reaktionen auf die feindliche ostdeutsche Haltung?
I. Die 1970er-Jahre als Aufbruch – die »schöne Polin«, Rückständigkeit und Schleichhandel
Am 1. Januar 1972 öffneten die Volksrepublik Polen und die DDR ihre gemeinsame Grenze für den pass- und visafreien Reiseverkehr – erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg konnten sich Polen und Ostdeutsche verhältnismäßig spontan begegnen. Denn obwohl die Grenze zwischen beiden Staaten seit dem Görlitzer Abkommen von 1950 offiziell »Grenze der Freundschaft« hieß, waren Reisen bis dahin nur in sehr begrenztem Rahmen möglich gewesen. Das Neue Deutschland berichtete zur Grenzöffnung: »Die Maßnahmen im Reiseverkehr bieten den Bürgern der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen günstigere Möglichkeiten, sich mit den Errungenschaften des Nachbarlandes beim Aufbau des Sozialismus vertraut zu machen, seine Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten kennenzulernen sowie Freizeit und Urlaub interessant und erlebnisreich zu verbringen. Sie tragen dazu bei, daß sich die freundschaftlich verbundenen Völker unserer beiden sozialistischen Bruderländer noch näher kommen und immer besser kennen- und verstehenlernen.«[6] Dieser DDR-Propaganda setzte der Direktor des Polnischen Informations- und Kulturzentrums in Leipzig 1973 eine realistische Einschätzung entgegen.[7] In einem nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Bericht beobachtete er »alte, unüberwundene Ansichten« gegenüber Polinnen und Polen und erklärte dies unter anderem mit den zwischenstaatlichen Beziehungen, die nicht »die besten« gewesen seien.[8] Denn die Freundschaftspropaganda der angeblichen sozialistischen Bruderstaaten Volkspolen und DDR konnte die verheerenden Erfahrungen vieler Polinnen und Polen insbesondere während des mörderischen nationalsozialistischen Eroberungskrieges nicht vergessen machen. Zusätzlich behinderte die antifaschistische Staatsdoktrin der DDR eine ehrliche Auseinandersetzung mit deutschen Verbrechen auf ostdeutscher Seite. Auch die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Staatssozialismus standen einer stabilen Partnerschaft beider Länder im Weg.[9] Trotz oder gerade deswegen veränderten sie die Einstellungen und Praktiken von Ostdeutschen und Polen nach der Grenzöffnung durchaus. Zwischen der DDR und Volkspolen entspann sich eine staatssozialistische Episode deutsch-polnischer Beziehungen.
Nach der langen Phase der Isolation in den 1950er- und 1960er-Jahren war der Kontakt mit dem Nachbarland für viele Menschen aus der DDR nicht nur interessant, er wirkte oftmals auch anregend und faszinierend. Volkspolen wurde im Vergleich zur DDR als bunter und freiheitlicher empfunden. Der oppositionelle Christ und Polenkenner Ludwig Mehlhorn beschrieb den »Kontrast im kulturellen Klima«, den »subversiven Ton« in Volkspolen als befreiend.[10] An anderer Stelle begründete er die polnische Anziehungskraft mit dem »Exotischen« und »Fremden«: »Polen war ein Fluchtpunkt, ein Raus aus der DDR. Ein Land, in dem man ein größeres Maß an Liberalität zu sehen bekam. Das, was man nicht kannte aus der DDR. Ja, sogar bis ins Exotische […] Das Fremde hat diese Anziehungskraft ausgeübt.«[11] Die Beobachtung des Exotischen verband Mehlhorns intellektuelle Polenfaszination mit eher affirmativen Wahrnehmungen von Leipziger Touristinnen und Touristen, die manchmal in Kitsch und negative Wahrnehmungen übergingen. In einem Bericht von einer Studienreise schilderten Leipziger ihre Beobachtungen aus Zakopane (seit jeher ein beliebter Kurort in der Hohen Tatra) und ergänzten diese um wertende Einschätzungen zum Nachbarland: »Ein Markttag. Babylonisches Stimmengewirr, orientalische Atmosphäre. Ein Hans im Glück läuft mit einem quikenden [sic] Schweinchen durch die Pfütze. […] Nein, da kommt das türkische (man bedenke: Die Türken in Polen) Volkskunstensemble aus Instambul [sic] und improvisiert auf der Straße. Nein, das gibt es doch nicht, einfach zauberhaft! Schmierige Bauern dazwischen, die ausgezeichnete Käseröllchen anbieten.«[12] So wurde aus womöglich positiv gemeinten Zuschreibungen eine zwiespältige Erzählung über schmutzige und rückständige Exotik, die Volkspolen im orientalischen Raum jenseits des eigenen Kulturkreises verortete.
Ähnlich ambivalente Muster finden sich auch in anderen Textgattungen. Laut eines Reiseführers waren die Warschauer Frauen »selbstbewußt, klug, aufgeschlossen und charmant. Nicht umsonst heißt es ›der Polin Reiz bleibt unerreicht‹.« Die Männer seien »Kavaliere vom Scheitel bis zur Sohle«, die noch den Handkuss beherrschten.[13] Damit wurde gegenüber ostdeutschen Polenreisenden das durchaus positive Stereotyp des »edlen Polen« bedient, und doch schwang gleichzeitig mit, polnische Männer seien altmodisch und (so kann man hineininterpretieren) adlig-bourgeois, jedenfalls keine besonders vorbildlichen Proletarier im Sinne eines Arbeiter- und Bauernstaates. Wörtlich zitierte der Reiseratgeber das Bild von der »schönen Polin« herbei, das ebenfalls eine lange und positiv konnotierte Tradition in Deutschland hatte.[14] Auch in literarischen Texten finden sich ähnliche und vor älteren Folien aus Neuzeit und 19. Jahrhundert heraufbeschworene Stereotype. Im zeitgenössischen Roman Scheidungsprozess des Leipziger Schriftstellers Helmut Richter (kurz vor der Grenzöffnung 1971 erschienen) spricht der Protagonist eine polnische Frau an, die er in einem Café beobachtet: »Sie hatte sich halb von mir weggedreht, saß quer auf dem Stuhl, die Beine übereinandergeschlagen, den linken Arm auf die Lehne gestützt. Sie schien nur die Tauben beobachten zu wollen. Obwohl ich sie mit einer gewissen Voreingenommenheit betrachtete, fand ich keinen Makel an ihr. Vielleicht wirkte ihre Art zu rauchen ein wenig zu männlich, aber das war mir auch schon bei anderen polnischen Frauen aufgefallen, und da hatte ich das Adjektiv ›kühn‹ dafür gewählt. […] ›Sie sind sehr schön‹, sagte ich impulsiv.«[15] Obwohl diese Passage voyeuristisch wirkt und der Protagonist gar seine »Voreingenommenheit« zugibt, liest man jenseits der Betrachtung der Frau als Objekt weiterhin die positive Anerkennung für die beschriebene Polin heraus.
Manfred Jendryschik greift in seiner Novelle Ein Sommer mit Wanda das Motiv der »schönen Polin« anders auf: Ein Chemiestudent verliebt sich in Wanda, die Tochter eines polnischen Zwangsarbeiters und einer Deutschen, die in ihrem ostdeutschen Heimatdorf wenig Achtung erfährt. Bei einem Tanzabend kommt es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, als ein Betrunkener fragt, wie das »Polenmädchen« im Bett sei.[16] Jendryschik konstruierte auf diese Weise eine Kontinuität der Polenfeindlichkeit innerhalb der dörflichen Bevölkerung, die mindestens im Zweiten Weltkrieg wurzelte. Insbesondere griff er aber den Vorwurf amoralischer Sexualität auf, der Polinnen in Verkehrung der obigen positiven Stereotypisierung ebenfalls häufig gemacht wurde. Denn männerzentrierte und sexistische Einstellungen gegenüber polnischen Frauen gehörten in den jahrhundertealten deutsch-polnischen Konflikten ebenfalls zum Kanon der Fremdbeschreibungen. Polnische Frauen waren demnach nicht nur schön und verführerisch, sondern ebenso sehr moralisch verdorben oder gar gefährlich. Diese Ansicht wird auch in deutschen Soldatenliedern deutlich, wie zum Beispiel im Landserlied »In einem Polenstädtchen«.[17] An Erzählungen wie Jendryschiks scheint auf, dass Geschlecht und Sexualität auch in der DDR eine historisch gewachsene Rolle innerhalb der ostdeutsch-polnischen Beziehungen spielten. Seit jeher beanspruchen Staaten und Gesellschaften ein Anrecht auf die Kontrolle von Sexualität.[18] So ist auch in den deutsch-polnischen Beziehungen die Zugehörigkeit und Ausgrenzung durch Geschlechterbeziehungen und Sexualität ein wichtiger Faktor, der durch den nationalsozialistischen Rassismus im Zweiten Weltkrieg zusätzlich eine übergriffige und gewaltsame Stoßrichtung erfuhr,[19] und seinen Widerhall in den ostdeutsch-polnischen Beziehungen fand.
Ein weiterer Strang der negativen Abgrenzung von den polnischen Nachbarn bestand in der Schilderung der vermeintlichen Rückständigkeit Volkspolens – ebenfalls in der Tradition von Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus. Zuweilen verglichen Reisende die realsozialistische Wirklichkeit der DDR direkt beim Grenzübertritt mit dem Nachbarland: »Eindrücke nach Passieren der Grenze: Auf dem Gebiet der DDR konnten wir die Arbeiten auf den Feldern unseres Landes bei der Einbringung der Ernte beobachten, Kombines in Größenordnungen und andere Technik waren voll im Einsatz. Auf dem Gebiet der VR Polen Kleinfeldwirtschaft, ein Pferd, ein Wagen und Menschen, die Getreidegarben verladen haben. Nur einmal (offensichtlich ein Staatsgut) sah man etwas Technik. Die Menschen in den Städten rein optisch nicht anders als bei uns.«[20] Der Vergleich zielte hier vordergründig auf den sozialistischen Fortschritt der DDR im Kontrast zum vormodernen Volkspolen. Allerdings wirft der letzte Satz ein merkwürdiges Licht auf den Schreibenden, der offenbar annahm, in Städten lebende Polen und Ostdeutsche würden sich trotz aller Unterschiede zumindest äußerlich nicht unterscheiden. Was impliziert, dass er nicht sichtbare Unterschiede, die sich dann auf die Rückständigkeit des Nachbarlandes auswirken würden, zumindest für möglich hielt.
Diese Strukturen waren auch in Leipzig evident: Polinnen und Polen wurden beobachtet, von einfachen Handlungen wurde auf Charaktereigenschaften geschlossen – Diskriminierung und Ausgrenzung waren die Folgen. Polnische Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter kamen im Zuge wirtschaftspolitischer Vereinbarungen nach Leipzig und in viele andere Orte der DDR. Ihr Einsatz sollte den Arbeitskräftemangel in der Industrie beheben, war aber keineswegs als brückenschlagende Maßnahme konzipiert. Auf sie wartete eine reglementierte Arbeits- und Lebenswelt in abgelegenen Fabrik- und Wohnanlagen. Sowohl die DDR-Betriebe als auch von polnischer Seite bereitgestelltes Überwachungspersonal schränkten die Möglichkeiten der selbstständigen Freizeitgestaltung der zumeist jungen Menschen ein. Trotzdem blieben spontane Begegnungen und deren Folgen nicht aus – so gehörten Sexualität und Heiratswünsche alsbald zu den delikaten Problemen, die polnische Institutionen und DDR-Funktionäre beschäftigten. Polnische Priester der katholischen Kirche, die polnische Gläubige in der DDR betreuten, beschworen den »moralischen Ruin« durch ausbleibenden Kirchenbesuch und sexuelle Kontakte herauf: »Das ist verderblich, besonders für junge Leute, die kein eigenes ›Rückgrat‹ besitzen. Sie verwerfen die ›alten Werte‹, haben aber keine, die sie an deren Stelle setzen könnten. Es bleibt für diese Leute nur Alkohol und Sex.«[21] Demgegenüber sahen sich die sozialistischen Leipziger Funktionäre bei Ehewünschen und Schwangerschaften weniger mit moralischen, als vielmehr mit planwirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, längerfristig Arbeitsplätze, Wohnraum und Kinderversorgung sicherzustellen.[22]
Der Wunsch nach mehr Kontrolle geht auch aus einer Beschwerde über anstößiges Verhalten von Vertragsarbeiterinnen der Leipziger Buntgarnwerke hervor: »Am Sonnabend, 24.3. und Sonntag, 25.3.73 wurden in der Zeit von 9 Uhr morgens bis zum späten Abend durch poln. Kolleginnen Radios bezw. Tonbandgeräte an die geöffneten Fenster gestellt und mit Lautstärken betrieben, die man in der gesamten Umgebung hören konnte. […] Die Mädchen saßen z.T. sehr leicht bekleidet auf den Fenstersimsen, sodass Passanten nur die Köpfe schüttelten. […] Wir Einwohner bitten deshalb die Betriebsleitung dringend darauf hinzuwirken, dass sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen. Ausserdem bitten wir darum, dass entsprechende Verbotsschilder für Motorräder angebracht werden, da immer mehr Jugendliche mit Krädern den Hof befahren und damit auch sehr stören.«[23] Die Mehrdeutigkeit dieser Beschwerde ist auffällig: Vordergründig war es der Lärm, eigentlich aber das Verhalten und die »leichte Bekleidung«, die Anstoß erregten. Unbenommen der deutschen Prüderie, bleibt erneut der Beigeschmack eines Vorurteils gegenüber (sexuell) zu freizügigen polnischen Frauen. Bei den Kradfahrern handelte es sich vermutlich um deutsche Jugendliche, die um die Aufmerksamkeit der Polinnen buhlten. Selbstverständlich wurde die Ethnie der jungen Männer nicht erwähnt.
Der aus vielen Quellen herauszulesende Unmut verstärkte sich nochmals rund um das Phänomen des grenzübergreifenden Schleichhandels. Die Grenzöffnung 1972 brachte ebenso unerwartete – wie in der Mangelwirtschaft seitens der Konsumenten willkommene – Schmugglertätigkeiten ins Rollen. Während in der DDR einerseits die Angst herrschte, die polnischen Nachbarn würden alle Geschäfte leerkaufen,[24] brachten schmuggelnde Händler aus Polen begehrte Mangelwaren auf den Leipziger Schwarzmarkt. Straßenhändler gehörten zum Stadtbild, und selbst wenn die Ordnungshüter Schleichhandel stetig bekämpften, wurde er aus pragmatischen Gründen geduldet. Den Zwiespalt zwischen Nutzen und Ärgernis zeichnete der damalige Beobachter Gert Neumann ironisch bis ätzend im zeitgenössischen Roman Elf Uhr nach, der in der DDR jedoch nicht veröffentlicht werden durfte. In täglichen Notizen zwischen 1977 und 1978 jeweils um elf Uhr beschrieb der Erzähler (bemerkenswerter Weise erneut mit dem Begriffen »Exotik« und »chauvinistisch«) unter anderem folgende Szene: »In der Stadt, auf den Bordsteinen der ›Haynstraße‹ [eigentlich Hainstraße in Leipzig] fehlen die Polen, die einen schönen Schwarzmarkt in die Stadt gebracht hatten. Im Schatten der auf dieser Straße wie ein Volk promenierenden Menschen, gedeckt von den freien Busen, die unter der waschmaschinenreinen Kleidung, im Frauenrhythmus treiben, fahren parallel zur Promenadengeschwindigkeit Polizeiwagen, die ihr Blaulicht nicht eingeschaltet haben. Sie sollen das sich Aufstellen der, im Promenadenfluß verborgenen, Polen auf dem Bordstein verhindern. […] In einigen Tagen ist in dieser Stadt ein Sportfest, und anscheinend will der Staat in dieser Stadt die Konfrontation verschiedener Lebensweisen vermeiden. Das Denken junger Menschen aus den Provinzen, die hier zu Gast sein werden, befände sich tatsächlich in verschiedenen Bedrängnissen; zu viele chauvinistische Urteile sind zum Beispiel schon über die als Händler in dieser Stadt erscheinenden Polen gesprochen worden; die sich freilich die Exotik, die sie in dieses dürre Deutschland bringen: bezahlen lassen.«[25] Wieder führt die Textexegese auf verschiedene Ebenen: Zunächst wies Neumann süffisant darauf hin, dass die Staatsmacht gerade zu offiziellen Anlässen unerwünschte Personen aus der Öffentlichkeit verbannte. Im vorliegenden Fall war die Stoßrichtung der polizeilichen Maßnahmen antipolnisch. Die zweite Ebene verweist geradewegs in das Mindset des »DDR-Bürgers« und der Obrigkeit. Die Großstadt Leipzig sollte gereinigt werden, ihr Aussehen nicht den schönen Schein und die Ordnung der Gedankenwelt stören. Denn ironischerweise gerieten – wie Neumann pfiffig herausarbeitet – die Ostdeutschen in Bedrängnis. Sie waren es, deren »chauvinistische Urteile« auf sie selbst zurückfielen. Die polnischen Schleichhändlerinnen und Schleichhändler wiederum waren sich ihres antisystemischen Potentials bewusst – sie ließen es sich sogar bezahlen. Dieses Wechselspiel von polnischen und ostdeutschen Einstellungen und Praktiken war es, das die Ostdeutschen im Kontakt mit Polinnen und Polen verstörte und verunsicherte. Man wusste mitunter nicht, woran man bei sich selbst war!
II. Die polnische Antwort – keine Vergebung, deutscher Sozialismus und ironische Distanz
Polnische actio und reactio unterliefen und irritierten die Selbstvergewisserung der Menschen in der DDR beständig. Bezeichnenderweise waren dabei beide Seiten von ganz ähnlichen Gefühlen und Voreingenommenheit erfasst: Von einer »Überlegenheitsanmaßung«[26] der Ostdeutschen war es nicht weit zu einem »Überlegenheitsgefühl aus Komplexen«, das wiederum bei Polinnen und Polen zu beobachten gewesen sein soll.[27] In Helmut Richters Roman Scheidungsprozess geriet der Unterhändler eines Kombinats aus Leipzig mit polnischen Geschäftspartnern in Konflikt, die ihm vorwarfen, er fahre ihnen aus der Warte des Ranghöheren über den Mund. Wütend entfuhr ihm, dass seine – wohl nicht zufällig weibliche – Gesprächspartnerin »Ressentiments« hätschele: »Ich war […] ganz fassungslos. Schließlich gehörte ich einem Jahrgang an, der erst nach dem Krieg bewußt lebte. Außerdem kam ich aus einem deutschen Staat, der dem ihrigen freundschaftlich verbunden war. Schon ein Vierteljahrhundert! Aber wenn wir etwas begreifen sollten, und zwar sehr rasch begreifen sollten, dann ist es dies: Uns mußte es leichter fallen, zu vergessen.«[28] Richters Text ist trotz versöhnlicher Tendenzen ein gutes Beispiel dafür, dass das vorgebliche Eingeständnis der verbrecherischen deutschen Vergangenheit nicht in der sozialistischen Utopie aufging. Dafür diente Letztere zu einseitig der brüchigen Selbstvergewisserung der DDR. Was hier den polnischen Nachbarn ungerechterweise in die Schuhe geschoben wurde.
Viele Leipziger stießen im Alltag ebenfalls auf erbitterte polnische Reaktionen. Eine Frau berichtete, dass ein Pole ein mit ihr auf Polnisch geführtes Gespräch wortlos abbrach, als er von ihrer Nationalität erfuhr.[29] Eine Polin, die mit ihrem deutschen Mann nach Leipzig zog, musste erleben, dass ihre Familie über sieben Jahre den Kontakt mit ihr verweigerte.[30] Eine weitere Polin berichtete, dass sie als junge Studentin in der DDR eine Weile brauchte, bis sie ältere Deutsche nicht mehr als »Faschisten« wahrnahm.[31] Als sie ihren späteren ostdeutschen Mann kennenlernte und ihn in den Kreis der polnischen Kommilitoninnen und Kommilitonen einführte, reagierten diese mit »Entsetzen«.[32] Bei diesen Konflikten spielte oftmals auch der oben bereits erwähnte Genderaspekt eine wesentliche Rolle, insofern sexuelle Kontakte zwischen (polnischen) Frauen und (deutschen) Männern historisch und gesellschaftlich konnotiert waren.
Ein weiteres literarisches Beispiel dafür, dass Vergangenheit wie Konventionen in ostdeutsch-polnischen Beziehungen nicht einfach zu überwinden waren, ist Peter Löpelts Roman Die Rosen heb für später auf, der Ende der 1970er-Jahre erschien. In der Geschichte scheitert die Liebe zwischen Peter, einem deutschen Werkelektriker, und Paffka, einer polnischen Vertragsarbeiterin, sowohl an den historischen Vorbelastungen als auch an kulturellen Codes. Peters Mutter lehnt die Liebe ihres Sohnes zu einer Polin ab und Paffkas Vater verstößt seine Tochter, weil sie das Andenken der als Zwangsarbeiterin im Deutschen Reich gestorbenen Tante beschmutze. Letztlich zerbricht die Liebe jedoch an gesellschaftlichen Konventionen und an den strengen Maßstäben der Betreuerin der polnischen Vertragsarbeiterinnen, die – wie oben bereits angedeutet – oft streng überwacht und gemaßregelt wurden.[33] Löpelts einfühlsame Schilderungen sind ein Beleg dafür, dass polnische Perspektiven ernst genommen und ostdeutsch-polnische Konflikte von aufmerksamen Zeitgenossen angemessen dargestellt wurden.
Der lange in Leipzig ansässige und mit einer Ostdeutschen verheiratete polnische Autor Henryk Sekulski verarbeitete Jahrzehnte später seine Erfahrungen ebenfalls in einem autobiografisch angehauchten Roman über polnische Vertragsarbeiter in Leipzig. Der Ich-Erzähler akzeptiert erst allmählich die nationalsozialistische Vergangenheit seiner zukünftigen Schwiegereltern. Die im Buch auftretenden Vertragsarbeiter eignen sich die von ihnen empfundene Kluft zwischen historischer Bedrohung und realsozialistischer Gegenwart durch Witze und Gerüchte an.[34] Es waren solche Prozesse, die dazu beitrugen, dass Polen sich überlegen wähnten und gegenüber Menschen in der DDR – gerade in deren Abgrenzung zu Deutschen aus der Bundesrepublik – eine Haltung des Bedauerns entwickelten. Ein Leipziger beschrieb dies so: »Die Reaktion der Polen war […] etwas bemitleidend, dass jemand aus der DDR kommt.«[35] Denn genauso, wie den Ostdeutschen in Volkspolen größere Freiheiten und Möglichkeiten auffielen, bemängelten Polinnen und Polen die engen Grenzen der SED-Diktatur und stellten negative Vergleiche zu ihrer polnischen Lebenswelt an. Wie sich diese Haltung auch in offiziellen Schriftstücken niederschlug, zeigt eine Einschätzung polnischer kulturpolitischer Funktionäre, die die DDR als selbstverschuldet rückständig charakterisierten und gleichzeitig die vermeintliche polnische Überlegenheit überzeichneten: »Man sollte in Erinnerung behalten, dass die DDR – begründet in spezifischen politischen Bedingungen – viel isolierter vom Westen ist [als die Volksrepublik Polen]. Deswegen erfüllt unser Land […] die Funktion eines Mediums, das der Gesellschaft der DDR die fortschrittlichsten, wertvollsten und interessantesten Erscheinungen der Weltkultur [durchgestrichen und ersetzt: westlichen Kultur] zeigen sollte.«[36]
Ironisch und doch pointiert formuliert Andrzej Stasiuk die Quintessenz dieser Haltungen, in denen Überlegenheitsgefühle, Ablehnung, aber auch Befürchtungen nebeneinanderstanden, in seinem Buch Dojczland. Anfang der 1980er-Jahre am östlichen Ufer der Oder nach Frankfurt blickend, zog ihn nichts auf die andere Seite des Flusses: »Dort gab es nichts Interessantes. Das leichte Grauen der DDR, das war alles. Kommunismus vermählt mit Deutschtum – eine äußerst beunruhigende Mischung.«[37]
III. Die 1980er-Jahre als Klimax – Konterrevolution, Schleichhandel und Krise
Auf die Entstehung der Gewerkschaft Solidarność im August 1980 reagierte die DDR mit der Schließung der Grenze und verschärfter Kontrolle aller ostdeutsch-polnischen Kontakte. Die polnischen Streiks wurden in der DDR mit Neugier und Interesse verfolgt, ohne dass allerdings der befürchtete »Bazillus der Solidarność« auf die Bevölkerung der DDR übergesprungen wäre.[38] Jenseits eines harten politischen Durchgreifens sowohl innen- als auch außenpolitisch beschworen die SED und die Parteimedien gezielt und skrupellos antipolnische Ressentiments herauf: Polinnen und Polen wurden als unzuverlässige Konterrevolutionäre gebrandmarkt, abwertende Vorurteile von der »polnischen Wirtschaft« sowie faulen Polen wurden bewusst verbreitet.[39] In einem perfiden Meinungsstück im Neuen Deutschland wurde der Solidarność und ihren vermeintlichen westdeutschen Verbündeten vorgeworfen, die Bruderländer des Warschauer Paktes bei der Überwindung der imperialistisch-faschistischen Geschichte und beim Bau einer neuen Friedensordnung zu verraten; mehr noch – die arbeitsunwillige Bevölkerung Polens wurde des Verrats an der Solidarität der hart arbeitenden DDR-Bevölkerung bezichtigt: »Wenn die Bürger der DDR immer und immer wieder von Streiks in Polen, die ›Solidarnosc‹ anzettelt, vom Absinken der Produktion hören, so stellt sich mancher die Frage, ob die Hilfe für unser Nachbarvolk nicht in ein Faß ohne Boden fällt. Wir in der DDR haben, was wir schufen, durch harte Arbeit erreicht. Verbrauchen kann man nur, was man erarbeitet hat. Kein Volk kann ohne Arbeit leben, wie seine Gesellschaft und Wirtschaft auch immer gestaltet sein mag. Das ist nicht antipolnisch, sondern einfach logisch gedacht.«[40] Vor dem Hintergrund solcher Stimmungsmache wurde Misstrauen gegenüber den Nachbarn zur Staatsräson: Ostdeutsche waren aufgefordert, »konterrevolutionäre Kräfte« zu erkennen und den »Mißbrauch der Partnerschaftsbeziehungen zur Verbreitung konterrevolutionärer Auffassungen bzw. andere subversive Aktivitäten zu verhindern.«[41]
Die Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 durch General Jaruzelski zerschlug die Hoffnungen von Millionen Polinnen und Polen auf Liberalisierung und Demokratisierung; Volkspolen rutschte immer tiefer in den wirtschaftlichen Bankrott. Selbst wenn die DDR die Krisen der zermürbenden 1980er-Jahre entweder in Fremdverschulden (u. a. durch vermeintlich unzuverlässige Partner wie die Volksrepublik Polen) verortete oder weiterhin mit geheimdienstlicher Härte den Status quo erhalten wollte – Hoffnungslosigkeit und Frust wuchsen stetig an. Obwohl die ostdeutsch-polnischen Beziehungen vor dem Hintergrund anderer Probleme nur ein randständiges Phänomen waren, stehen die sich verhärtenden Fronten doch im Zusammenhang mit der krachenden Implosion der staatssozialistischen Systeme. Einstellungen und Praktiken waren Ausprägungen der politisch und wirtschaftlich eingeschlagenen Einbahnstraße, die keine Gewinner, sondern maximal noch Profiteure der Krise zuließ.
Kontakte zwischen Deutschen und Polen wurden nach der Grenzschließung flächendeckend überwacht, die Staatssicherheit etablierte auch in der Volksrepublik ein Informationsnetz und war im Urlaub, im partnerschaftlichen Austausch und im Alltag stetig präsent.[42] Dies vermehrte automatisch Misstrauen und Angst und führte zu Konflikten. Über eine Stadtführerin in Wrocław berichtete eine inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi: »So bedauerte sie gleich anfangs vor unserer Gruppe, daß so wenig DDR-Gruppen nach Polen kämen, man würde ›uns wohl nicht rauslassen‹! Ich mußte erst klarstellen, daß die Reisen, die angeboten werden, auch verkauft werden müssen, um stattzufinden, und, daß es lange dauerte, bis auch diese Fahrt ausgebucht war! Dies führte sie ›auf schlechte Berichte in unseren Zeitungen‹ zurück!!!«[43] Exemplarisch prallten hier Meinungen aufeinander, vermeintlich schuldig war jeweils das andere Land.
Urlaubsberichte von DDR-Touristinnen und -Touristen (oftmals IM der Stasi) mischten systemkonforme Einschätzungen mit (unterschwelligen) Vorurteilen und Feindbildern. Viele Berichte lassen peinliche Situationen erahnen. Eine als IM angeworbene Reiseleiterin beschrieb das Verhalten einer Gruppe als »sehr überheblich und arrogant«: »So fuhren wir am 18.10. von Karpacz nach Szklarska Poreba. Kurz hinter Karpacz fuhren wir durch ein Dorf. Die Gromada-Reiseleiterin[44] erzählte, daß hier ein großes Gestüt sei und hier besonders Reitpferde gehalten werden, die man gegen West-Währung ausleihen könnte. Herr [geschwärzt], der vorn hinter dem Fahrer saß, bemerkte sofort, daß die Polen ja nur von uns die Pferde hätten. Ein Stück weiter ging an der Straßenseite ein Bauer, der ein Schwein an einem Strick führte. Gleich rief Herr [geschwärzt] zu seinen Kollegen, daß wir hier auf dem Schwein für ›25 Ostmark‹ reiten könnten! In dieser Richtung gingen die Provokationen.«[45] Neben den Scherzen auf Kosten von Polinnen und Polen ließ auch der Neid auf Westdeutsche tief blicken.
1984 berichtete ein inoffizieller Mitarbeiter von einer – eigentlich prestigeträchtigen – FDGB-Reise in die Masuren. Für ihn stand fest, wer wegen seines Verhaltens zu verurteilen sei, und doch wurde er selbst zum Bösewicht gestempelt: »Unserer Meinung nach müßte bei der Auswahl der Teilnehmer besser darauf geachtet werden, wer solche Plätze erhält. Wir stellten zum Beispiel fest, daß ca. 70% unseres Durchganges entweder in diesem Gebiet geboren waren und wegen der Kriegsfolgen dort ausgesiedelt wurden oder im Verlauf der letzten Jahre in die DDR übergesiedelt sind. Es war deshalb so, daß viele Urlauber dort ihre Verwandten und Bekannten besucht haben und sich teilweise 2 Tage bei ihnen aufgehalten haben. […] Ich konnte feststellen, daß in diesem Gebiet zahlreiche Druckschriften unter der Bevölkerung vorhanden sind und auch teilweise in den Straßen verteilt werden. Stöße bis zu 50 cm Höhe waren keine Seltenheit. Der Inhalt wurde mir aufgrund der polnischen Sprache nicht bekannt. Ich habe gesehen, daß auch Urlauber unseres Durchganges diese Schriften erhielten (ehem. Polen) und nehme an, daß sie auch mit in die DDR genommen wurden. Als ich mir auch einmal so ein Schriftstück geben lassen wollte von einem Polen, sagte dieser zu mir, ich sei ein deutscher Faschist und würde das nicht bekommen.«[46] Nicht einmal im Rückblick lässt die Kläglichkeit des Geschilderten an Realsatire denken.
Vorurteile gegen Polinnen und Polen waren aber nicht nur im geschlossenen Berichtssystem der Staatssicherheit, sondern auch öffentlich präsent. Ein Bericht konstatiert fast schon wieder trocken: »Kritikwürdig ist die Art und Weise des Sprechers Müller gewesen, in welcher Form er das Kinderensemble am 8.10.1981 – 10.00 Uhr auf die Bühne Markt (sic) angesagt hatte. Er sagte in etwa: ›Und nun begrüßen wir das Kinderensemble Hutnik aus Krakow. Diese Kinder hat man noch nicht zum Streik erzogen, deshalb arbeiten sie heute bei uns.‹«[47] Neben dem Vorwurf politischer Unzuverlässigkeit war jener, die Polen seien faul, verbreitet. Während einer DDR-Solidaritätsaktion zu Weihnachten 1981 brachen sich in der Bevölkerung Neid und Verachtung gegenüber Polinnen und Polen Bahn. So äußerten zum Beispiel Arbeiter eines Leipziger Kombinats, Angestellte aus Eilenburg und Arbeiter aus Döbeln, dass »in unseren Läden […] bereits jetzt wenig zu kaufen [ist] und durch Solidaritätsspenden werde es noch weniger. Die Polen sollten lieber selber alle arbeiten.«[48] Als in Leipziger Schulen für eine Paketaktion gesammelt wurde, kamen 145 608 Päckchen mit einem Durchschnittswert von 20 DDR-Mark zusammen;[49] allerdings mochten manche Eltern den »arbeitsfaulen«[50] Polinnen und Polen nichts geben: »Für die Polen keinen Pfennig!«[51]
Jenseits der Überwachung aufgrund angeblicher politischer Unzuverlässigkeit fiel das Augenmerk der Staatsorgane in Leipzig vermehrt auf den polnischen Schleichhandel. Die Staatssicherheit betrieb einen beträchtlichen Aufwand, um die Phänomene des grenzüberschreitenden Schmuggels zu erfassen – eine wirkungsvolle Bekämpfung war unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft weder möglich, noch wurde sie ernsthaft angestrebt.[52] So beschränkte sich die Erklärung der Gründe für Schleichhandel auf internationale Banden, wobei polenfeindliche Verurteilungen zu den Grundmodi gehörten. Im Bahnhofs- und Schmugglermilieu trieben sich demnach kriminelle Polen, Jugoslawen und »Zigeuner« herum – zusätzlich wurde dieses Milieu mit Prostitution, Drogen und Alkohol in Zusammenhang gebracht.[53] Ein Mitarbeiter der Stasi beschattete polnische Männer und hielt fest, dass diese sich auf einem Parkplatz mit teils »dunkelhäutigen« Personen trafen.[54] Diese – heute schwerlich zu verifizierende – Aussage weist auf die Tendenz hin, dass Kriminalität rassistisch externalisiert und so eine systemimmanente Analyse unnötig wurde.
Einigermaßen einfach ließen sich die Passagiere des Nachtzugs Leipzig-Kraków beobachten. In diesem Zug wurden tatsächlich erhebliche Warenmengen transportiert und geschmuggelt – glaubt man jedoch der Stasi, war er ein Pfuhl der Sünde und des Verbrechens: »Organisiertheit, Intensität, Raffiniertheit der Tatmethoden, die Tatschwere und der Schaden nehmen zu; mehr als 80 % der Täter handelten in kriminellen Gruppierungen.«[55] Hinzu kam: »Charakteristisch für einen hohen Prozentsatz der Reisenden war der Genuß von alkoholischen Getränken. Dieser Alkoholgenuß nahm insbesondere nach Abschluß der rechtswidrigen Handlungen ab Bautzen verstärkt zu, so daß vor Grenzübertritt eine Vielzahl von Reisenden stark angetrunken war.«[56] Auch hier kann nur festgehalten werden, dass jenseits sicherlich nachzuweisender Schmugglertätigkeit die kriminelle Energie und charakterliche Verderbtheit der Polinnen und Polen, zumeist Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter auf dem Weg zu ihren Familien, überzeichnet wurde.
Frappierend oft wurden auch die polnischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polnischen Informations- und Kulturzentrums in Leipzig mit alkoholischen oder sexuellen Exzessen in Verbindung gebracht, was mit den Schlagwörtern wie »intimes Verhältnis« und dem »Alkohol zusprechen« umrissen wurde.[57] Ein IM lieferte beispielsweise intime Informationen aus dem Leben eines Mitarbeiters. Dessen »unmoralische Lebensweise« wurde mit Beobachtungen und Indizien von »Sexorgien« und Alkoholexzessen unterlegt.[58] Insgesamt zeichnete sich in solchen Quellen das Muster ab, Polinnen und Polen gezielt zu diskreditieren, zu kriminalisieren und mit Personen (»Zigeuner«/»Dunkelhäutige«) in Verbindung zu bringen, die eine Abwertung von Polinnen und Polen auf ethnischer Grundlage implizierten.
Diese strukturellen Vorurteile schlugen sich in den Einstellungen und Praktiken des ostdeutsch-polnischen Alltags nieder. Sowohl die staatliche Propaganda als auch die stetig mitschwingende Polenfeindschaft des Diskurses, etwa in Meinungsbildern der SED, blieben nicht ohne Folgen.[59] Rückblickend fasste eine Polin in Leipzig dieses Misstrauen und die daraus resultierende Abgrenzung im Zeitraffer zusammen: »Langsam näherte sich ja das Jahr ’80. Ja und dann muss ich sagen: Meine Begeisterung für das, was dort [in Volkspolen] war, stieß nicht immer auf Verständnis hier unter unserem Bekanntenkreis oder – ich will nicht sagen Freundeskreis, weil mittlerweile habe ich gemerkt, das, was ich als Freundschaft betrachtet habe, ging dann zu Ende. Und da hab ich gesagt: ›Wenn eine Freundschaft zu Ende geht, dann hat sie nie begonnen.‹ Also war’s nur eine Bekanntschaft. Ja, ich spürte, dass ich irgendwie, naja, ich will nicht sagen, beobachtet worden bin, aber es kam dann so weit, dass ich im Jahr ’80, nachdem nun in Polen die politischen Ereignisse sich so darstellten, dass das mit Konterrevolution beschimpft worden ist und dergleichen mehr […]. Meine Zulassung als Dolmetscherin lief dann plötzlich am 31.12.80 aus.«[60] Auch diese Erinnerung legt exemplarisch die internalisierte Polenfeindschaft im Offiziellen wie Privaten offen und deutet an, wie belastend diese für die Betroffenen war.
IV. Fazit
Über die gesamten 1970er- und 1980er-Jahre verdichteten sich in der Polenfeindlichkeit in der DDR die Verdrängung verbrecherischer Vergangenheit, die vermeintliche Überlegenheit bei eigentlich tief eingegrabenen Komplexen und ein stetig mühselig zu bewältigender Alltag im Staatssozialismus zu einem zunehmend unbekömmlichen Cocktail. Hinzu kam, dass die polnischen Nachbarn mit vergleichbaren Selbst- und Fremdbildern agierten und im Alltag vor ähnlichen Problemen standen. So prallten schlussendlich hier wie dort Einstellungen und Praktiken aufeinander.
Besonders in den 1980er-Jahren, als die SED durch staatliche Propaganda ein politisches wie wirtschaftliches Feindbild gegen Volkspolen und seine Bevölkerung wiederbelebte und um neue Akzente ergänzte, waren ostdeutsch-polnische Kontaktzonen in Leipzig ein vermintes Terrain. Neben vereinfachenden Schuldzuweisungen an die Adresse von Polinnen und Polen spielte hier sicherlich auch die Angst vor staatlichen Eingriffen ins Privatleben eine Rolle. Viele Leipzigerinnen und Leipziger hielten sich ein derartiges Problem lieber vom Hals, als ein Anecken zu riskieren. Nicht von der Hand zu weisen waren aber auch manifeste polenfeindliche Einstellungen, die dazu beitrugen, vermeintliche Verhaltensweisen in negative Charakterzüge umzudeuten, was durchaus rassistische Tendenzen aufwies. Das Ergebnis zeigte sich unter anderem in zahlreichen gewalttätigen Angriffen, die für die Zeit nach dem 3. Oktober 1990 belegt sind. An der deutsch-polnischen Grenze wurden Pkw und Reisebusse attackiert, es kam zu Angriffen und Diebstahl in Zügen und auf offener Straße, Polinnen und Polen wurden zusammengeschlagen. Die polnische Botschaft wurde darüber informiert, manche in Ostdeutschland wohnenden Polinnen und Polen verließen nach Einbruch der Dunkelheit ihre Wohnung nicht mehr.[61]
Inzwischen sind die ostdeutsch-polnischen Beziehungen nicht mehr als eine kleine Episode der Zeitgeschichte. Diese Episode zeigt aber auch heute noch, in welchem Maße sich Politik und Teile der Gesellschaft der DDR immer weiter verschanzten, in Misstrauen wie Angst erstarrten und zunehmend aggressiv gegenüber den polnischen Nachbarn agierten. Dies galt ausdrücklich nicht für die gesamte Bevölkerung der DDR, war aber für die Atmosphäre im späten Staatssozialismus zweifellos prägend.
[1] Tageszeitung taz vom 8. März 2020, https://taz.de/Exit-Gruender-ueber-Neonazis-in-der-DDR/!5665867&s=exit/ (ges. am 20. Juli 2020).
[2] Dieser Aufsatz geht aus meiner veröffentlichten Dissertation und weiteren Texten hervor. Siehe Daniel Logemann: Das polnische Fenster. Deutsch-polnische Kontakte im staatssozialistischen Alltag Leipzigs 1972–1989, München 2012; ders.: Polenfeindlichkeit und Polenbegeisterung. Leipziger Reaktionen auf die Solidarność, in: Konstantin Hermann (Hg.): Die DDR und die Solidarność. Ausgewählte Aspekte einer Beziehung, Dresden 2013, S. 65–79.
[3] Siehe Birgit Glorius: Polnische Migranten in Leipzig. Eine transnationale Perspektive auf Migration und Integration. Empirischer Bericht, Halle 2007.
[4] Siehe u. a. Wolfgang Emmerich: Kleine Literaturgeschichte der DDR, erw. Neuausgabe Leipzig 1996, S. 18.
[5] Zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte siehe u. a. Peter Oliver Loew: Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland, München 2014; Ulrich Herbert: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München 2001, S. 26–28 und 77–78; Hubert Orłowski: »Polnische Wirtschaft«. Zum deutschen Polendiskurs der Neuzeit, Wiesbaden 1996; Tomasz Szarota: Der deutsche Michel. Die Geschichte eines nationalen Symbols und Autostereotyps, Osnabrück 1998.
[6] Neues Deutschland vom 23. Dezember 1971, S. 1.
[7] Zum Polnischen Informations- und Kulturzentrum in Leipzig siehe Daniel Logemann: Eine polnische Insel in Leipzig? Das Polnische Informations- und Kulturzentrum in Leipzig (1969–1989), in: Journal of Modern European History 8 (2010), H. 2, S. 243–265.
[8] Sprawozdanie [Bericht] vom 16. November 1973, Archiwum Ministerstwa Spraw Zagranicznych/Archiv des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, DWKN 11/77 w-19, H. 528, S. 1. [Alle Übersetzungen aus dem Polnischen vom Verfasser.]
[9] Siehe u. a. Basil Kerski: Die Beziehungen zwischen der DDR und Polen – Versuch einer Bilanz, in: Basil Kerski/Andrzej Kotula/Kazimierz Wóycicki (Hg.): Zwangsverordnete Freundschaft? Die Beziehungen zwischen der DDR und Polen 1949–1990 (= Veröffentlichungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e.V., Bd. 1), Osnabrück 2003, S. 9–25; Ludwig Mehlhorn: Zwangsverordnete Freundschaft? – Zur Entwicklung der Beziehungen zwischen der DDR und Polen, in: Kerski/Kotula/Wóycicki: Zwangsverordnete Freundschaft?, S. 35–40; Burkhard Olschowsky: Einvernehmen und Konflikt. Das Verhältnis zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen 1980–1989, Osnabrück 2005.
[10] Mehlhorn: Zwangsverordnete Freundschaft? (Anm. 9), S. 38.
[11] »Die Haltung war wichtig …«. Anna Hadrysiewicz und Britta Wuttke sprechen mit Ludwig Mehlhorn, in: NRD-PRL literatura niezależna – DDR-VRP unabhängige Literatur, hg. von WIR, Berlin 1996, S. 76.
[12] Bericht über die Studienreise nach Zakopane vom 5.‑12.9.1976 (genannt Plenair »Tatra Herbst«) vom Oktober 1976, Sächsisches Staatarchiv, Staatsarchiv Leipzig (im Folgenden: SächsStA, StA-L), 20237 BT/RdB Nr. 8076, Bl. 47.
[13] Siehe Wolfgang Polte: Reiseratgeber Volksrepublik Polen, Berlin/Leipzig 1980, S. 217.
[14] Zum »edlen Polen« und zur »schönen Polin« siehe Orłowski: »Polnische Wirtschaft« (Anm. 5), S. 191–231.
[15] Helmut Richter: Scheidungsprozess, Halle/Leipzig 1971, S. 55.
[16] Manfred Jendryschik: Ein Sommer mit Wanda. Legenden von der Liebe, 2. Aufl. Halle 1976.
[17] Siehe www.volksliederarchiv.de/in-einem-polenstaedtchen/ (ges. am 16. August 2020). Der Kuss zwischen dem Mädchen und dem deutschen Soldaten wird mit dem Tod des Mädchens bestraft.
[18] Siehe Michel Foucault: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit. Bd. 1, 17. Auflage Frankfurt a.M. 2006, S. 129–153.
[19] Siehe u. a. Isabel Heinemann: »Rasse, Siedlung, deutsches Blut«. Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas (= Moderne Zeit: neue Forschungen zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts) Göttingen 2003; Maren Röger: Kriegsbeziehungen. Intimität, Gewalt und Prostitution im besetzten Polen 1939 bis 1945 (= Die Zeit des Nationalsozialismus. Eine Buchreihe. Begründet und bis 2011 herausgegeben von Walter H. Pehle), Frankfurt a. M. 2015.
[20] Reisebericht in die VR Polen v. 2.8.‑5.8.1982 vom 10. August 1982, SächsStA, StA-L, 21123 SED-BLL Nr. IV/E/2/18/504, S. 1. Hervorhebung im Original.
[21] Doniesienie, Sprawozdanie z konferencji polskich księży pracujących w N.R.D. [Meldung, Bericht von der Konferenz polnischer Priester, die in der DDR arbeiten] vom 17. April 1978, Archiwum Instytutu Pamięci Narodowej/Archiv des Instituts für Nationales Gedenken, IPN BU Nr. 0639/148, Bl. 11.
[22] Betr.: Bericht über die geführten Aussprachen mit polnischen Kolleginnen vom 9. November 1973, SächsStA, StA-L, 20937 VEB Buntgarnwerke Leipzig, Nr. 90.
[23] Eingabe, Betr. Heim der poln. Werktätigen vom 26. März 1973, SächsStA, StA-L, 20937 VEB Buntgarnwerke Leipzig Nr. 90.
[24] Siehe u. a. Daniel Logemann: »Brüderbund und Freundschaft mit den sozialistischen Ländern darf nicht spekulativ genutzt werden.« Deutsch-polnischer Schleichhandel in Leipzig als Konsumkultur »von unten«, in: Comparativ 19 (2009), H. 6, S. 50–68; Jonathan R. Zatlin: »Polnische Wirtschaft« – »deutsche Ordnung«? Zum Umgang mit Polen in der DDR, in: Christian Th. Müller/Patrice G. Poutrus (Hg.): Ankunft – Alltag – Ausreise. Migration und interkulturelle Begegnung in der DDR-Gesellschaft, Köln/Weimar/Wien 2005, S. 295–315.
[25] Gert Neumann: Elf Uhr, Köln 1999, S. 146 f.
[26] Erhard Crome/Jochen Franzke: Die DDR und Polen. Betrachtung über das Verhältnis der Ostdeutschen zu den Polen, in: Jochen Franzke (Hg.): Polen. Staat und Gesellschaft im Wandel. Beiträge zur Debatte, Berlin 1998, S. 202.
[27] Interview mit Herrn S., 9. Februar 2007. Die hier verwendeten Interviews wurden alle in einer Mischform aus freier Erzählung zu ostdeutsch-polnischen Kontakten und Nachfragen geführt. Herr S., Pole, verheiratet mit einer Ostdeutschen, lebte in den 1970er-Jahren im ostdeutsch-polnischen Umfeld von Leipzig.
[28] Richter: Scheidungsprozess (Anm. 15), S. 58.
[29] Siehe Interview mit Frau B., 3. Mai 2006. Frau B. reiste, bis zum über sie verhängten Reiseverbot in den 1980er-Jahren, so oft wie möglich nach Polen, lernte Polnisch und hatte im Nachbarland viele Freundinnen und Freunde.
[30] Siehe Interview mit Frau H., 7. Juli 2006. Frau H. lernte ihren Mann in den 1970er-Jahren während des Studiums in Polen kennen und lebte nach dem Studium bis zum Zeitpunkt des Interviews mit ihrem Mann in Leipzig.
[31] Siehe Interview mit Frau K., 30. Oktober 2007. Frau K. kam in den 1970er-Jahren nach Leipzig, sie lebte zum Zeitpunkt des Interviews mit ihrem deutschen Mann in Leipzig.
[32] Ebd.
[33] Siehe Peter Löpelt: Die Rosen heb für später auf, Berlin 1979.
[34] Siehe Henryk Sekulski: Przebitka [Triumph], Olsztyn 2001, S. 13–15 und 212.
[35] Siehe Interview mit Herrn T., 21. Juli 2006. Herr T. studierte in den 1980er-Jahren in Wrocław, lernte Polnisch und unterhielt stabile Kontakte zu polnischen Bekannten.
[36] Ocena wymiany kulturalnej z NRD w okresie międzyzjazdowym. 1971/75/ [Auswertung des Kulturaustausches mit der DDR im Zeitraum zwischen den Zusammenkünften der Delegationen] vom 7. Januar 1976, Archiwum Akt Nowych/Archiv der neuen Akten, KC PZPR, Wydział Kultury Nr. 790 (909/7), S. 2.
[37] Andrzej Stasiuk: Dojczland, Frankfurt a. M. 2008, S. 26.
[38] Burkhard Olschowsky: Einvernehmen und Konflikt. Das Verhältnis zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen 1980–1989, Osnabrück 2005, S. 101–110.
[39] Siehe u. a. Logemann: Brüderbund und Freundschaft (Anm. 24); Jonathan R. Zatlin: Scarcity and Resentment: Economic Sources of Xenophobia in the GDR, 1971–1989, in: Central European History 40 (2007), H. 4, S. 683–720, hier bes. S. 684–686.
[40] Über Volkspolen und die DDR – Aktuelles und Historisches, in: Neues Deutschland vom 8. September 1981, Ausgabe B, Nr. 213, S. 2. Ursprünglich wurde ich hier auf den Artikel aufmerksam: Michael Lausberg: Kein Verkauf an Polen. Antipolnischer Rassismus in Ostdeutschland, in: MiGAZIN, 6. Juli 2015, https://www.migazin.de/2015/07/06/antipolnischer-rassismus-in-ostdeutschland/#easy-footnote-bottom-3-83256 (ges. am 3. Juni 2021).
[41] Dokument 13, MfS (Ministerium für Staatssicherheit) Der Minister, Schreiben vom 5.2.1981, VVS 5/81 MfS 0008 Nr. 5/81 (BStU, ZA, Dokumentenstelle 102689), in: Monika Tantzscher: »Was in Polen geschieht, ist für die DDR eine Lebensfrage!« – Das MfS und die polnische Krise 1980/81, in: Materialien der Enquete-Kommission »Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland« (12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages), hrsg. vom Deutschen Bundestag, Band V/3, S. 2732 f.
[42] Siehe Christian Domnitz: Kooperation und Kontrolle. Die Arbeit der Stasi-Operativgruppen im sozialistischen Ausland, Göttingen 2016, S. 181–216; Daniel Logemann: Das polnische Fenster (Anm. 2), S. 69–87.
[43] Betr.: Fahrt nach Wroclaw vom 10. – 12.7.81 vom 20. Juli 1981, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (im Folgenden: BStU), MfS, BV Leipzig, AIM (archivierter IM-Vorgang) Nr. 2588/84 II/1, Bl. 435.
[44] Gromada war ein volkspolnischer Reiseveranstalter.
[45] Betr.: Fahrt 10/740067 vom 10. – 12.10.80 nach Karpacz – Institut für Energetik Leipzig vom 21. Oktober 1980, BStU, MfS, BV Leipzig, AIM Nr. 2588/84 II/1, Bl. 285.
[46] Operative Information 41/84 vom 31. August 1984, BStU, MfS, BV Leipzig, Abt. II Nr. 421/01, Bl. 56 f.
[47] Betrifft: Ensembleaustausch 7. – 11.10.1981 in Leipzig vom 19. Oktober 1981, SächsStA, StA-L, 20237 BT/RdB Nr. 29612, S. 2.
[48] Information über weitere Reaktionen von Bürgern des Bezirkes Leipzig sowie im Bezirk aufhältiger polnischer Bürger zu den Ereignissen in der VR Polen vom 5. Januar 1982, BStU, MfS, BV Leipzig, AKG Nr. 259, Bl. 5.
[49] Information zur Solidaritätsaktion »Hilfe für die Kinder Volkspolens« vom 21. Dezember 1981, SächsStA, StA-L, 21123 SED-BLL Nr. IV/D/2/5/330, Bl. 159 f.
[50] Siehe Kurzinformation zur Absicherung der Solidaritätsaktion für die Kinder der VR Polen vom 19. Dezember 1981, SächsStA, StA-L, 21138 SED Stadtbezirksleitung Leipzig Mitte, Nr. IV/D/5/2/248.
[51] Information über die Stimmung und Meinungen zur Solidaritätsaktion für die Volksrepublik Polen vom 18. Dezember 1981, SächsStA, StA-L, 21123 SED-BLL Nr. IV/D/2/5/330, Bl. 151.
[52] Zum Schleichhandel siehe: Logemann: Brüderbund und Freundschaft (Anm. 24).
[53] Information zu einem Schwerpunkt der allgemeinen und Zollkriminalität in der »Milch-Mocca-Eisbar« in Leipzig vom 4. Mai 1981, BStU, MfS, BV Leipzig, AOG Nr. 1804/85, Bl. 15 f. und Bericht über die Entwicklung des spekulativen Warenhandels und der Währungsmanipulation in der Stadt Leipzig vom 23. Juni 1981, ebd., Bl. 20–23.
[54] Siehe Operativ-Information Nr. 132, Über operativ-interessantes Verhalten poln. Bürger 7010 Leipzig, Wintergartenstraße – Parkplatz vom 25. Mai 1981, BStU, MfS, BV Leipzig, Abt. II Nr. 124/02, Bl. 180–182.
[55] Information zum Artikel »Schwarzmarkt im ›Horrorzug‹ Leipzig – Warschau«, Welt am Sonntag vom 29. Juli 1984 vom 4. August 1984, BStU, MfS, BV Leipzig, Leitung Nr. 1422, Bl. 8.
[56] Bericht über die Ergebnisse der operativen Beobachtungsmaßnahmen am 10.08.1984 in den internationalen Reisezügen D 487 und D 1487 von Leipzig nach Warschau bzw. Katowice vom 12. August 1984, BStU, MfS, HA XIX Nr. 2014, Bl. 109.
[57] Quartalsbericht zum Polnischen Informations- und Kulturzentrum in Leipzig vom 20. Januar 1987, BStU, MfS, BV Leipzig, Abt. II Nr. 744/01, Bl. 9.
[58] Auszug aus Treffbericht »Wolfgang« vom 2.9.81 vom 4. September 1981, BStU, MfS, BV Leipzig, AIM 507/89 II/2, Bl. 95 f.
[59] Siehe z. B. Ludwig Mehlhorn: Zwangsverordnete Freundschaft? Die Entwicklung der Beziehungen zwischen der DDR und Polen 1949–1990, in: Wolf-Dieter Eberwein/Basil Kerski (Hg.): Die deutsch-polnischen Beziehungen 1949–2000. Eine Werte- und Interessensgemeinschaft?, Opladen 2001, S. 61–73; Olschowsky: Einvernehmen und Konflikt (Anm. 9); SED Bezirksleitung: Information über Stimmung und Meinungen zu den neuen Zollbestimmungen der DDR vom 21. November 1988, SächsStA, StA-L, 21123 SED-BLL Nr. 866, S. 2.
[60] Siehe Interview mit Frau H. (Anm. 30).
[61] Siehe Bernd Siegler: Auferstanden aus Ruinen … Rechtsextremismus in der DDR, Berlin 1991, S. 32; taz vom 3. November 1990, https://taz.de/Brutale-Angriffe-auf-Polen/!1745537/ (ges. am 3. Juni 2021).