Die Hände meines Vaters: Eine russische Familiengeschichte
Lesung und Gespräch mit Irina Scherbakowa
Die Historikerin und Publizistin Irina Scherbakowa erzählt in ihrer Autobiografie „Die Hände meines Vaters“, erschienen im Oktober 2017, die Geschichte ihrer jüdisch-russischen Familie. Diese erlebte die schrecklichsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts mit: Angefangen bei der Flucht der Familie vor einem Pogrom in Starodub, über die Oktoberrevolution und die beiden Weltkriege bis hin in die Jahre nach dem Ende der Sowjetunion. Irinas jüdische Großmutter überlebte die Pogrome, die Oktoberrevolution und den Russischen Bürgerkrieg 1917 und Irinas Vater kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Offizier vor Stalingrad. Sie selbst erlebte die Stalinzeit mit und wuchs währenddessen in Moskau auf. Trotz allem charakterisiert Scherbakowa ihre ereignisreiche Familiengeschichte als eine glückliche.
Die Autorin des Buches ist Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial, die sich zum Ziel gesetzt hat, Opfer der Stalin-Herrschaft zu ermutigen, über ihre Erfahrungen Zeugnis abzulegen. Kritisch beurteilt die Historikerin die fehlende Aufarbeitung der Vergangenheit in Russland nach dem Ende der Sowjetunion und die seit 2000 propagandistische Umschreibung der russischen Geschichte. Die Annexion der Krim 2014 führte Irina Scherbakowa vor Augen, dass sich die aufklärerischen und demokratischen Kräfte nicht behaupten konnten, wodurch die Autorin eine Epoche der Aufklärung in Russland an einem vorläufigen Ende wähnt.
Am 22. Juni bietet sich im Rahmen einer Lesung mit anschließendem Gespräch die Möglichkeit, mit Irina Scherbakowa über politische Entwicklungen im heutigen Russland zu diskutieren.
Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt 8 Euro bzw. 6 Euro.